Juristische Fragen ernst nehmen, aber nicht als Regelfall sehen!

Sportjurist und Rechtsanwalt Dr. jur. Thomas Adloff aus Paderborn zeigt der FSG NW die Tragweite des Ehrenamts auf

Welche Bedeutung rechtliche Fragestellungen und insbesondere auch Versicherungsfragen inzwischen im Breitensport erhalten haben, dies ist bei der Mitglieder-versammlung der Familien-Sport-Gemeinschaft Nordrhein-Westfalen (FSG NW) deutlich geworden. Denn der Sport- und Sportversicherungsjurist Dr. Thomas Adloff hat auf dem Vereinsgelände der Familien-Sport-Gemeinschaft Lichtbund Wuppertal anschaulich geschildert, vor welchen Herausforderungen insbesondere Vereinsvorstände und Übungsleiter heutzutage stehen. „Wir müssen viele Fragestellungen, die sportjuristisch und versicherungsrechtlich schwierig erscheinen, aber auch problematisch sind, ernst nehmen. Doch müssen wir nicht davon ausgehen, dass Probleme in der ehrenamtlichen Arbeit als Übungsleiter und Vereinsvorstände der Regelfall sind”, hat Thomas Adloff vor den Vertretern der 34 Vereine, die sich in der FSG NW zusammengeschlossen haben, festgestellt.

Adloff hat sich als Referent der FSG NW - Mitgliederversammlung zur Verfügung gestellt. So ist er nicht nur als selbständiger Rechtsanwalt mit dem Schwerpunkt Sportrecht in Paderborn tätig, er engagiert sich gleichfalls als Experte für den Landessportbund Nordrhein-Westfalen (LSB NRW). Den Breitensport kennt Adloff gleichfalls als ehemaliger Sportdezernent im westfälischen Paderborn und seiner Tätigkeit als Lehrbeauftragter für Sportrecht an der Universität Paderborn, aber auch als Funktionär in Vereinsvorständen und anderen Gremien. Von dieser Multiperspektivität hat die FSG NW profitieren können, wie die allseits große Zustimmung zu dem Vortrag Adloffs unter Beweis gestellt hat.

So beklagt Adloff beispielsweise, dass Übungsleiter im Breitensport inzwischen teilweise als vermeintliche „Garanten für die körperliche Unversehrtheit” der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen qualifiziert werden sollen, im Gegensatz dazu seien diese aber lediglich Laienhelfer bei der Leistung Erster Hilfe. Wenn im Rahmen eines Trainings einem Sportler etwas passiere, gehe es immer häufiger um Fragen des Schadensersatzes, insbesondere des Schmerzensgeldes im zivilrechtlichen Bereich und auch um die Frage der strafrechtlichen Verantwortlichkeit. Der Versuch, aus einem Sportunfall finanzielle Vorteile ziehen zu wollen, nehme aufgrund der veränderten Mentalität in der Gesellschaft zu. Es gebe aber immer auch ein allgemeines Lebensrisiko, für das ein Übungsleiter oder Vereinsvorstand nicht verantwortlich gemacht werden könne und dürfe, so Adloff.

So hat er in seinem Vortrag vor den FSG NW - Funktionären unterstrichen, wie bedeutsam der Sportversicherungsvertrag ist, der zwischen der Sporthilfe e.V. und der ARAG Sportversicherung bestehe und in vielen Bereichen eine bedeutsame Absicherung für die aktiven Sportler aber auch Funktionäre, insbesondere Vorstände darstelle. Der Schwerpunkt seiner Ausführungen lag in den Bereichen der Unfall- und Haftpflichtversicherung, aber auch der wichtigen Rechtsschutzversicherung. Darüber hinaus hat er auch die Bedeutung der gesetzlichen Unfallversicherung hervorgehoben. Sodann hat er die FSG NW - Verantwortlichen aufgefordert, über den LSB NRW und den kooperierenden Versicherer das Vereins-, Informations- und Schulungssystem (VIBSS) in Anspruch zu nehmen und z. B. einen kostenlosen Versicherungscheck durchzuführen, damit es nicht zu ungewollten Schrecken komme, wenn beispielsweise auf einem Vereinsgelände eines Vor-Ort Vereins der FSG NW etwas passiere. Er hat jedoch auch folgendes hervorgehoben: „Die Vollkasko-Mentalität der Gegenwart stimme nicht unbedingt mit dem geltenden Recht überein.”

Dankbar sind die Frauen und Männer aus der FSG NW vor allem deshalb gewesen, weil sie Dr. Thomas Adloff sehr konkret Situationen haben vorstellen können, auf die Adloff einen anschaulichen und vor allem auch für Laien nachvollziehbaren juristischen Blick geworfen hat. Hinsichtlich wichtiger Themen hat er darüber hinaus stets auf den LSB NRW, die zuständige Berufsgenossenschaft und den kooperierenden Versicherer verwiesen. Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist vor allem deutlich geworden, dass das sportliche Engagement in den Vereinen, die Bewirtschaftung der Vereinsgelände, aber auch die Organisation von Veranstaltungen eine Menge juristischer, insbesondere versicherungsrechtlicher Klärungen zur Folge hat und im Interesse der handelnden Personen haben muss.

Text: Christoph Müller
Foto: Detlef Schleicher


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