„Nur Nacktsein zieht niemanden an”

FSG NW sucht nach Gestaltungsräumen für die Zukunft

Der Wind, der der Familien-Sport-Gemeinschaft Nordrhein-Westfalen (FSG NW) entgegenbläst, wird immer kühler. Diesen Eindruck hat der Präsident der FSG NW, Günther Hedderich, wenn er zum Beispiel von Veranstaltungen des Landessportbundes Nordrhein - Westfalen (LSB NRW) zurückkehrt. Es sind nicht nur die zunehmende Bedeutung der Ganztagsschule und die veränderte Situation der Familien in Arbeitsleben und Gesellschaft. Es sind nicht nur die zu erwartenden Ressourcen-einsparungen, wenn zum Jahr 2018 der „Pakt des Sports” durch die nordrhein-westfälische Landesregierung limitiert werde. Im Miteinander des Breitensportverbandes mit den örtlichen naturistischen Sportvereine müsse das gemeinsame Verhältnis neu bestimmt werden.

„Es hilft kein Klagen”, meint der FSG NW - Präsident Hedderich. Wenn Aufgaben zu lösen seien, dann hätte dies Priorität. Hedderich spricht sich dafür aus, die ärmel hochzukrempeln, um die Gestaltungsräume für die Zukunft auszumachen und zu konkretisieren. „Nur Nacktsein zieht niemanden an”, spitzt es Hedderich zu. Wenn Menschen in der Gegenwart Freude an der Freikörperkultur hätten, bräuchten sie nicht die Vereinsgelände der Mitgliedsvereine der FSG NW. An den Ufern von Rhein, Ruhr und Weser würden nackte Menschen beim Sonnenbad toleriert.

Deshalb gelte es nun, das Besondere der naturistischen Sportvereine innerhalb der FSG NW deutlich zu machen. Viele in den Naturistenvereinen alt gewordene Menschen hätten Verdienste, stellt FSG NW - Präsident Hedderich fest. Es müsse jedoch ein Ruck durch die Vereine gehen, um den naturistischen Sportvereinen zwischen Bonn und Bielefeld, zwischen Siegen und Aachen die Existenz zu sichern. Vielerorts falle es schwer, sich auf die junge Generation einzulassen. Bezeichnend sei, dass Tattoos und Piercings, Intimrasuren und anderes Zeitgenössisches zu Emotionalitäten führe. Was zur jungen Generationen gehöre, müsse man als Phänomen der Zeit anerkennen.

Die jungen Familien seien auch nicht mehr nur mit Petanque und Bogenschießen hinter dem Ofen hervorzulocken. Es sei nötig darauf zu hören, wo die Bedürfnisse der jungen Menschen in den naturistischen Sportvereinen seien. Sicherlich bedeute dies hier und dort, auch finanzielle Ressourcen zu mobilisieren. In die Zukunft könnten die Vor-Ort-Vereine nur mit den jungen Menschen in den Vereinen gehen. Sonst müsse in relativ naher Zukunft der Letzte das Geländetor schließen. Wer die jungen Menschen jedoch frage, was sie wollten, der lebe den Willen zur Zukunft.

„Ich bin mir bewusst, dass nicht jeder die Gedanken über die Zukunft hören will”, meint FSG NW - Präsident Hedderich. Es müsse nach vielen Jahren auch nochmals abgeglichen werden, welche Aufgabe die FSG NW als Verband übernehmen müsse und was von Vereinen getragen werden müsse. So hätten sich in den vergangenen Jahren sicher Vereine darauf verlassen, dass der Verband Jugendarbeit mache. Entscheidend sei aber, dass sich vor Ort überzeugende Persönlichkeiten engagierten. Als Verband müsse die FSG NW in den kommenden Jahren Schwerpunkt auf Projekte legen, damit auch die finanzielle Absicherung des Breitensports durch die Politik gesichert sei. So würden Zukunftssicherungsprojekte für die Jugend-, Familien-und Seniorenarbeit angegangen. „Wir müssen einfach die Signale der Gegenwart hören, um in der Zukunft auf uns aufmerksam machen zu können.”

Text und Foto: Christoph Müller


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